In jeder Situation, egal wie das Ergebnis ausfällt – ich bin die Ursache dafür.
Ich habe den Zug verpasst – ich habe zu lange gebraucht. Die Leute in der U-Bahn lachen – sie machen sich sicher über mich lustig. Mein Partner hat schlechte Laune – also habe ich etwas falsch gemacht.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Wenn ja, haben wir es mit der Überzeugung der eigenen Allmacht zu tun.
Jeder von uns hat in gewissem Maße schon einmal Personalisierung erlebt.
Dies ist eine tückische psychologische Falle, die Sie glauben lässt, Sie stünden im Zentrum des Universums, und verleitet Sie dazu, die Verantwortung für vieles zu übernehmen, was um Sie herum geschieht.
Sie sind davon überzeugt, dass die Menschen um Sie herum ausschließlich auf Sie reagieren; dass ihr Handeln, ihre Gedanken und ihre Gefühle vollständig von Ihren Taten abhängen, obwohl dies in Wirklichkeit gar nicht in Ihrer Kontrolle liegt.
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Doch Sie leiden darunter, indem Sie sich selbst verurteilen und ein erdrückendes Schuldgefühl verspüren.
So paradox es klingen mag: Der Glaube an die eigene Allmacht schränkt Sie ein, stürzt Sie in Angstzustände und mindert Ihre Lebensqualität.
Wie äußert sich Personalisierung?
Zum Beispiel:
Bei dieser Denkweise spielt es keine Rolle, wer tatsächlich die Schuld trägt – das Schuldgefühl fühlt sich dennoch wie Ihres an. Was glauben Sie, was das zur Folge haben kann? Sicherlich Stress, Apathie, Angstzustände, Probleme mit dem Selbstwertgefühl und sogar Depressionen.
Warum ist Personalisierung gefährlich?
Das Schuldgefühl bringt unweigerlich ein Bestrafungsszenario hervor, und das geschieht oft ohne das Wissen Ihres Bewusstseins.
Wadim Seljand
Solche Überzeugungen bilden sich bereits in der Kindheit.
Es ist bekannt, dass das Denken von Kindern egozentrisch ist. Das bedeutet, dass ein Kind aufrichtig glaubt, die Ursache für alles zu sein, was um es herum geschieht.
Für Kinder im Alter von drei bis vier Jahren ist es beispielsweise völlig normal zu glauben, dass die Sonne aufgeht, weil sie gerade aufgewacht sind, und untergeht, wenn es Zeit zum Schlafen ist.
Doch viele Erwachsene nehmen im Laufe ihres Aufwachsens Teile dieses egozentrischen Denkens in ihren Alltag mit.
Familiärer oder gesellschaftlicher Druck kann dazu führen, dass man sich für das Wohlergehen anderer verantwortlich fühlt. Ein Beispiel wäre ein Kind, das schon in sehr frühem Alter lernen muss, sich um seine Eltern zu kümmern.
Probleme mit dem Selbstwertgefühl können sowohl eine Folge als auch eine Ursache für solche Überzeugungen sein.
Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl neigen häufig zur Personalisierung. Sie glauben unter Umständen, dass sie es nicht verdient haben, gut behandelt zu werden, und schreiben negative Ereignisse deshalb ihrem eigenen Handeln oder vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu.
Auch traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit können zur Personalisierung beitragen. In jungen Jahren ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Denken eines Kindes verzerrt wird und es die Überzeugung entwickelt, dass alles, was geschieht, von ihm abhängt.
Wenn ein Kind beispielsweise oft Sätze von den Eltern hört wie „Du bist schuld an allem“ oder „Du machst nie etwas richtig“, kann es dieses „Etikett“ ein Leben lang mit sich tragen und alle negativen Ereignisse auf die eigene Schuld zurückführen.
In einigen Kulturen ist es üblich, die Verantwortung für alles, was im Umfeld geschieht, zu übernehmen. Dies kann dazu führen, dass Menschen zur Personalisierung neigen, selbst wenn sie nicht die Verursacher der Ereignisse sind.
Unabhängig von den Ursachen und wie diese Überzeugungen entstanden sind: Wir können unsere Denkweise in jeder Lebensphase ändern, sofern wir die entsprechende Motivation dazu finden.
Im nächsten Kapitel werden wir, wie gewohnt, die wichtigsten Empfehlungen zum Umgang mit dem Glauben an die eigene Allmacht betrachten.
„Man darf sich nicht für alles selbst die Schuld geben, wenn man sich nicht für allmächtig hält.“
Michail Bulgakow

